Buchtipp: „Die Sehnsucht des kleinen Orange“ von Judith Zacharias-Hellwig
Trennung ist für Kinder oft ein einschneidendes Erlebnis – eines, das Gefühle auslöst, die schwer in Worte zu fassen sind. Genau hier setzt Judith Zacharias-Hellwig mit ihrem Bilderbuch „Die Sehnsucht des kleinen Orange“ an und schafft es, kindgerecht und einfühlsam über das Thema elterlicher Trennung zu sprechen.
Das kleine Orange lebt glücklich mit Mama Rot und Papa Gelb, bis ihm eines Tages mitgeteilt wird, dass der Papa bald auszieht. Was folgt, ist eine emotionale Reise durch Sehnsucht, Traurigkeit, Veränderung – aber auch Hoffnung und Lösungen. Denn das Buch macht deutlich: Kinder dürfen fühlen, was sie fühlen – und Erwachsene dürfen und sollen helfen, diesen Gefühlen Raum zu geben.
Besonders bemerkenswert ist, wie es der Autorin gelingt, das Wechselmodell mit seinen Licht- und Schattenseiten kindlich greifbar zu machen. Die Sehnsucht nach dem Elternteil, der gerade nicht da ist, wird nicht kleingeredet, sondern mitfühlend beschrieben. Gleichzeitig zeigt das Buch: Auch wenn Mama und Papa nicht mehr zusammenleben, können beide weiter für ihr Kind da sein.
Warum dieses Buch eine Empfehlung verdient:
- Es nimmt Kinder auf Augenhöhe ernst.
- Es bietet Gesprächsanlässe für betroffene Familien.
- Es hilft Eltern, die Perspektive ihres Kindes besser zu verstehen.
- Es unterstützt pädagogische Fachkräfte in der Begleitung von Trennungskindern.
Gerade in einer Zeit, in der immer mehr Familien unterschiedliche Betreuungsmodelle leben, ist dieses Buch ein wertvoller Beitrag für ein neues Verständnis von Elternschaft nach der Trennung. Es passt hervorragend zu den Anliegen der Wir Väter-Initiative, die sich für gleichwertige Elternschaft auch nach einer Trennung einsetzt.
Fazit: „Die Sehnsucht des kleinen Orange“ ist ein warmherziges, starkes Buch über die kindliche Gefühlswelt bei Trennung – tröstlich, ehrlich und Mut machend.
Noch ein Schatz: „Das kleine Kunterbunt“ – über Patchwork und Bonuseltern
Wer das kleine Orange ins Herz geschlossen hat, wird auch den zweiten Band „Das kleine Kunterbunt“ lieben. Hier geht die Geschichte weiter: Das Kind, inzwischen Teil einer Patchworkfamilie, erlebt, wie sich das Familiengefüge erneut verändert – durch die neue Partnerin des Vaters, Freundin Blau. Was anfangs fremd wirkt, wird langsam vertraut, und das kleine Kunterbunt beginnt, neue Farben in sich aufzunehmen. Dieses Buch erzählt liebevoll davon, wie Vertrauen wächst und wie Kinder durch neue, liebevolle Beziehungen bereichert werden können – ohne dabei ihre ursprünglichen Bindungen zu verlieren. Ein großartiges Werkzeug, um Bonuseltern einfühlsam ins Gespräch mit Kindern zu bringen – oder einfach, um zu zeigen, dass auch ein buntes Leben schön sein kann.